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WhatsApp: Ein Mobbingfall, der erschüttert!

Cyber-Mobbing

Der Fall von Lea hat mich selber sehr betroffen gemacht, weil ich gesehen habe, wie Menschen unschuldig in die Mobbingfalle tappen und es dann unglaublich schwer haben, da wieder raus zu kommen. Deshalb möchte ich euch ausführlich erzählen, was sich hier zugetragen hat:

Lea war in der 6. Klasse eines Gymnasiums, hatte zwar ihre Pflichtschuljahre schon absolviert, wollte jedoch an dieser Schule ihre Matura machen. Sie hat sich immer mit allen gut verstanden. Lea hatte nie einen Streit mit jemandem und niemand hätte einen Grund gehabt sie nicht zu mögen. Doch in den Sommerferien hatte sie sich mit ihrer ehemals besten Freundin Larissa* zerstritten. Die Interessen hatten sich einfach geändert und Larissa hatte ihr immer öfter vorgeworfen, dass sie keine Zeit für sie hatte. Zudem war Lea schon immer sehr ehrgeizig und zielstrebig, hatte deshalb gute Noten und einen Ferienjob. In den Ferien zerstritten sie sich dann völlig.

Freundschaft aus
Sie beendeten ihre Freundschaft nach 6 Jahren. Die ganzen Ferien über hatten sie keinen Kontakt zueinander. Am ersten Schultag ging Lea mit einem mulmigen Gefühl die Treppen zum Klassenzimmer hoch. Sie wusste, dass Larissa noch immer nicht besonders gut auf sie zu sprechen war. Als sie die Klasse betrat, würdigten sie die bereits anwesenden Schüler keines Blickes. Sie ignorierten sie. Jedes Jahr saß Lea mit Larissa und zwei anderen Mädchen in der zweiten Reihe. Doch dieses Jahr wollte niemand neben ihr sitzen. So kam es, dass sie alleine in der letzten Reihe saß. Die Pause verbrachte sie alleine in der Klasse, während die anderen sich am Flur oder im Pausenhof amüsierten. Lea glaubte fest daran, dass es wieder normal werden würde.

Gruppengründung
Doch in Wirklichkeit wurde es immer schlimmer. Sie fingen zwar wieder an mit ihr zu reden, doch was sie sagten war schlimm. Besser, sie hätte geschwiegen. Doch richtig traurig wurde sie erst, als sie erfuhr, dass die anderen eine Klassengruppe auf WhatsApp hatten. In dieser Gruppe waren alle aus der Klasse nur sie nicht. Der Gruppenadmin war Larissa. Und eines Tags wurde sie dieser Gruppe hinzugefügt.

Hassgruppen
Von da an, ging die Reise erst richtig los. Es war nämlich keine einfache Klassengruppe, in der Lösungswege für den nächsten Mathetest ausgetauscht wurden, sondern es war eine Hassgruppe. 20 Täter und ein Opfer. Es war Larissas Art sich an Lea zu rächen. Die anderen 19 spielten mit und somit war es wie eine ganze Armee gegen einen Demonstranten. Sie fühlte sich wie ein hilfloses Tier, das man in die Ecke drängt. Larissa packte Geheimnisse über sie aus, die sie ihr an glücklichen Tagen anvertraute. Lea stand nur hilflos daneben und konnte „mitlesen“. Nicht mal zuhause hatte sie Ruhe vor ihren Peinigern, denn denn durch WhatsApp war sie immer erreichbar. Es war ein Teufelskreis, denn auch wenn sie die Gruppe auf Stummschaltete, hatte sie das Gefühl lesen zu müssen, was die anderen über sie schrieben.

Screenshots und geheime Fotos
Larissa stellte peinliche Fotos von Lea in die Gruppe. Sie erstellte Screenshots von Nachrichten, die Lea ihr geschrieben hatte. Als würde jemand ihr Tagebuch veröffentlichen. Lea hatte Angst. Immer und überall. Sie hatte Angst, was noch kommen würde und das machte sie krank. Nach 7 Monaten konnte sie nicht mehr. Selbst ihre Lehrer riefen schon

ihre Mutter an, weil ihre Leistungen immer schlechter wurden. Sie nahm sich fest vor es ihrer Mutter zu erzählen. Doch jedes Mal, wenn sie es sich vornahm, tat sie es doch nicht. Sie traute sich nicht.

Doch als Larissa ein Geheimnis in die Gruppe schrieb, das nicht nur Lea, sondern auch ihre Eltern betraf, konnte sie es nicht mehr für sich behalten. Sie informierte ihre Eltern und zeigte ihnen die Nachrichten. Ihre Mutter informierte umgehend den Schuldirektor, doch auch der schien mit der Situation restlos überfordert zu sein. Der Weg führte schließlich zur Polizei, wo sie Anzeige erstatteten.

Letzter Ausweg: Schulwechsel
Dann wechselte sie mitten im zweiten Semester Schule. Und nach diesem Schuljahr begann sie eine Lehrausbildung als Bankkauffrau. Ihre neuen Kollegen und Kolleginnen sind freundlich und haben sie sofort in ihren Freundeskreis integriert. Nun ist sie wieder Teil einer WhatsApp-Gruppe, doch dieses Mal geht es wirklich nur darum, wann sie sich am Wochenende am See oder im Kino treffen.

(*Name von der Redaktion geändert)

 

Du darfst dir nicht alles gefallen lassen!

Lea ist ihren Peinigern nach 7 harten Monaten entkommen – eine Zeit voller Ängste und Sorgen. Wenn man sie heute fragen würde, würde sie sicher sagen: „Wartet nicht so lange!“

  • Sofort reagieren: Wichtig ist, dass du sofort reagierst. Vielleicht kannst du dumme Sprücheklopfer noch stoppen, bevor es die Grenze zu Mobbing überschreitet. 
  • Gespräch führen: Manchmal merken andere Personen gar nicht, wie sehr es dich verletzt. Deshalb kannst du versuchen, mit ihnen zuerst ein klärendes Gespräch zu führen. 
  • Einzelne Blockieren: Auf WhatsApp ist es möglich, einzelne oder mehrere Personen zu blockieren, doch nur weil du jemanden blockiert hast, heißt das nicht, dass das Problem aus der Welt geschafft wurde. 
  • Erpresser ignorieren: Wenn du mit etwas erpresst wirst, gehe auf gar keinen Umständen darauf ein! Wenn Erpresser merken, dass du mitmachst, hören sie nicht auf, sondern machen weiter. 
  • Aussteigen: Wenn du in einer WhatsApp-Gruppe fertig gemacht wirst, dann steige am besten sofort aus, denn das Fertigmachen von Personen verliert oft an Reiz, wenn die Täter merken, dass es dich nicht interessiert. 
  • Vertraue dich an: Sollte es jedoch nicht aufhören, dann unternimm etwas! Du musst dir nichts gefallen lassen, vertraue dich Erwachsenen an. 
  • Hilfe im Netz: Die Onlineplattform: www.saferinternet.at bietet Hilfe.

Text: Marie-Christin Tripolt


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